Im Rechtsstreit mit Disney und Universal fordert Midjourney, dass die Studios ihre eigene KI-Nutzung offenlegen müssen.
Heute leicht reduzierte Ausgabe.
Im laufenden Urheberrechtsstreit will der Bildgenerator wissen, wie Hollywood selbst mit Kuenstlicher Intelligenz arbeitet - eine ungewoehnliche Verteidigungsstrategie.
Wenn zwei sich vor Gericht streiten, kann es interessant werden, wer wem welche Fragen stellt. Genau das passiert gerade zwischen dem KI-Bildgenerator Midjourney und den Hollywood-Studios Disney und Universal. Statt sich nur zu verteidigen, dreht Midjourney den Spiess um und will von den Klaegern wissen, wie diese selbst Kuenstliche Intelligenz einsetzen. Der Vorgang zeigt, wie unscharf die Fronten im Streit um KI und Urheberrecht inzwischen geworden sind.
Ausloeser ist eine Klage der Studios gegen Midjourney, ein Startup, dessen Bildgenerator (eine Software, die aus Texteingaben Bilder erzeugt) auch Darstellungen bekannter Filmfiguren wie der Minions produzieren kann. Diese Figuren sind urheberrechtlich geschuetzt. Midjourney verlangt nun im Rahmen des Verfahrens, dass Disney und Universal offenlegen, ob und wie sie selbst KI nutzen. Berichtet haben darueber am 4. Juli 2026 sowohl t3n als auch TechCrunch. Um welche konkreten KI-Anwendungen es bei den Studios geht, ist im Material nicht beschrieben.
Die Forderung ist rechtlich clever und politisch aufgeladen zugleich. Wenn die Studios selbst KI-Werkzeuge einsetzen - etwa fuer visuelle Effekte, Storyboards oder Drehbuchentwuerfe - waere ihre Position als reine Opfer eines datenhungrigen Startups schwerer zu halten. Der Streit steht damit stellvertretend fuer eine groessere Auseinandersetzung: Wer darf mit welchem Material KI-Modelle trainieren, und wer darf sich anschliessend beschweren, wenn diese Modelle Ergebnisse liefern, die bekannten Figuren aehneln? Fuer Hollywood geht es um Kontrolle ueber wertvolles geistiges Eigentum, fuer die KI-Branche um die Grundlage ihres Geschaeftsmodells. Midjourney versucht mit dem Vorstoss offenbar, den moralischen Alleinvertretungsanspruch der Studios zu bruechig werden zu lassen.
Vieles bleibt allerdings offen. Ob das zustaendige Gericht dem Antrag von Midjourney stattgibt und die Studios tatsaechlich Auskunft geben muessen, ist im Material nicht belegt. Auch der genaue Streitwert, der Verfahrensstand und mogliche Vergleichsangebote werden nicht genannt. Unklar bleibt zudem, ob es bei der KI-Nutzung der Studios um interne Produktionswerkzeuge oder um generative Modelle vergleichbar mit Midjourney geht - ein Unterschied, der juristisch bedeutsam waere. Wer aus den knappen Meldungen bereits einen Praezedenzfall ableitet, geht ueber das Belegte hinaus.
In den kommenden Wochen lohnt sich der Blick auf zwei Dinge: Erstens, wie das Gericht mit dem Auskunftsersuchen umgeht - eine Zulassung waere ein Signal an andere KI-Firmen in aehnlichen Verfahren. Zweitens, ob Disney und Universal von sich aus praeziser erklaeren, wie sie KI einsetzen, um dem Druck zuvorzukommen. Der Fall koennte damit weniger ein Urteil ueber Midjourney werden als eine erzwungene Transparenzuebung fuer eine Branche, die bisher lieber ueber KI klagte als ueber die eigene Nutzung sprach.
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