Tages-Briefing · 1. Juli 2026

Anthropic bringt KI-Werkzeug speziell für Wissenschaftler

Claude Science richtet sich an Forscher und soll wissenschaftliche Arbeit so unterstützen, wie Claude Code das für Programmierer tut.

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1. Juli 2026
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Anthropic bringt KI-Werkzeug speziell für Wissenschaftler

Claude Science richtet sich an Forscher und soll wissenschaftliche Arbeit so unterstützen, wie Claude Code das für Programmierer tut.

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Anthropic bringt Claude Science: ein KI-Werkzeug fuer Forscherinnen und Forscher

Nach dem Erfolg von Claude Code im Programmieralltag zielt Anthropic mit seinem neuen Produkt auf Labore, Pharmafirmen und Biotech-Gruender.

Anthropic will dort hin, wo bisher vor allem Doktoranden, Statistik-Software und Excel-Tabellen regieren: ins Forschungslabor. Mit Claude Science stellt das Unternehmen ein neues Hauptprodukt vor, das wissenschaftliche Arbeit unterstuetzen soll - so wie Claude Code inzwischen Softwareentwicklung unterstuetzt. Die Botschaft dahinter: Wenn KI schon Code schreibt, warum dann nicht auch Experimente planen, Daten auswerten und Ergebnisse dokumentieren?

Vorgestellt wurde Claude Science laut MIT Technology Review am Dienstag bei einer Veranstaltung fuer Fuehrungskraefte aus der Pharmaindustrie, Biotech-Gruender und Forschende. Anthropic beschreibt das Produkt als anpassbare Anwendung, die die Werkzeuge und Softwarepakete integriert, mit denen Forschende ohnehin taeglich arbeiten. Sie soll nachvollziehbare Artefakte produzieren - also Ergebnisse, die man spaeter pruefen und zurueckverfolgen kann - und flexiblen Zugriff auf Rechenressourcen bieten. Aehnlich wie Claude Code soll das System nach kurzen, uebergeordneten Anweisungen selbststaendig groessere Arbeitsschritte ausfuehren koennen, ein Verhalten, das in der Branche als agentisch bezeichnet wird (KI, die eigenstaendig mehrere Schritte hintereinander plant und ausfuehrt).

Der Schritt ist strategisch interessant. Anthropic hat sich mit Claude Code eine starke Position bei Entwicklerinnen und Entwicklern erarbeitet. Die Wissenschaft, insbesondere Pharma und Biotech, ist der naechste offensichtliche Markt: hohe Zahlungsbereitschaft, komplexe Datenmengen, langsame manuelle Auswertungen. Dass Anthropic sein Publikum am Vorstellungstag ausdruecklich aus Pharma- und Biotech-Kreisen zusammengestellt hat, laesst vermuten, dass die Arzneimittelforschung ein zentraler Zielmarkt ist. Fuer Universitaeten und einzelne Forschungsgruppen koennte die Ankuendigung bedeuten, dass sich der Alltag im Labor aehnlich veraendert wie zuletzt der Alltag vieler Programmierer: KI wird zum Werkzeug, das man staendig danebenlaufen laesst.

Vieles bleibt im vorliegenden Material offen. Konkrete Preise, konkrete Beispielaufgaben, konkrete Vergleiche mit bestehenden Werkzeugen aus der wissenschaftlichen Software-Landschaft werden in den Ankuendigungen nicht genannt. Auch die heikelste Frage ist unklar: Wie zuverlaessig arbeitet Claude Science, wenn es selbststaendig Analysen durchfuehrt, und wie gut lassen sich Fehler oder Halluzinationen (also erfundene, aber plausibel klingende Ergebnisse) in einem wissenschaftlichen Kontext erkennen? Anthropic verweist auf nachvollziehbare Artefakte, aber ob diese Nachvollziehbarkeit in der Praxis den Anspruechen von Peer Review und Regulierungsbehoerden genuegt, ist im Material nicht belegt.

In den kommenden Tagen und Wochen lohnt der Blick auf zwei Punkte: erstens, welche Forschungseinrichtungen oder Pharmafirmen sich als erste Anwender oeffentlich zu Claude Science bekennen - das wird zeigen, ob es sich um ein ernst gemeintes Werkzeug oder eher um eine Marketing-Setzung handelt. Zweitens, ob Wettbewerber wie OpenAI oder Google mit vergleichbaren, auf Wissenschaft zugeschnittenen Produkten nachziehen. Der Wettlauf um die Rolle der KI im Labor hat offenbar gerade erst begonnen.

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